Unterseekabel Überwachung

Unterseekabel: Die unsichtbaren Lebensadern unserer vernetzten Welt  

9. Dezember 2024 | Lesezeit: 4 Minuten

Die jüngsten Vorfälle in der Ostsee zeigen, dass der Schutz von Unterseekabeln eine deutlich höhere Priorität erhalten muss. Unterseekabel spielen  eine entscheidende Rolle in unserer modernen Gesellschaft. Sie transportieren 99 % des weltweiten Internetverkehrs und verbinden Länder, Kontinente und Menschen. Diese Systeme sind keine bloßen Datenleitungen, sondern das Rückgrat der globalen Kommunikation und damit des modernen Lebens. Ihr Ausfall gefährdet nicht nur das Internet, sondern auch Energieversorgung, Finanzmärkte, Gesundheitswesen und nationale Sicherheit.

Warum der Schutz von Unterseekabeln so wichtig ist ?

Unterseekabel sind zentrale Bestandteile der globalen digitalen Infrastruktur und bilden das technische Rückgrat vieler Kommunikations- und Datendienste. Ihr Ausfall kann weitreichende Auswirkungen auf viele Bereiche unserer kritischen Infrastruktur (KRITIS) haben: 

  • Energie: Die Kommunikation und Steuerung von Stromnetzen hängt von stabilen und sicheren Datenverbindungen ab.  
  • Finanzen: Internationale Transaktionen könnten verzögert oder blockiert werden – mit gravierenden  Folgen für Wirtschaft und Handel.  
  • Gesundheit: Telemedizin, Forschung und grenzüberschreitende Datenaustausch würden erheblich beeinträchtigt. .  
  • Sicherheit: Militärische Kommunikationsnetzwerke, wie die der NATO, wären gefährdet.  
  • Logistik: Globale Lieferketten, die von vernetzten Häfen, Transport- und Informationssystemen abhängen, könnten zum Erliegen kommen.nbrechen.  

Ein Ausfall wirkt sich somit nicht nur auf die Internetverbindungen aus, sondern betrifft alle Sektoren, die auf digitale Kommunikation angewiesen sind.

Was Studien über die Schwachstellen der Unterseekabel zeigen  

Wissenschaftliche Untersuchungen, wie die Studie „The Digital Divide in State Vulnerability to Submarine Communications Cable Failure“, beleuchten die Schwachstellen im globalen Unterseekabel-Netzwerk und identifizieren besonders verwundbare Staaten und Regionen. Die zentralen Risiken sind:  

1. Abhängigkeit von einzelnen Kabeln
Länder, die nur über wenige oder sogar nur ein einziges Unterseekabel verfügen, sind besonders gefährdet. Ein Defekt oder Angriff kann hier zum kompletten Verlust der Internetverbindung führen. Kleinere Inselstaaten im Pazifik oder im Indischen Ozean sind häufig nur an eine einzige Leitung angeschlossen und können bei einem Bruch mehrere Tage oder Wochen isoliert sein.​

 2. Mangelnde Redundanz
Staaten, die keine alternativen Routen oder Backup-Systeme haben, können den Datenverkehr nicht umleiten. Das führt zu längeren Ausfallzeiten, erschwert die Aufrechterhaltung kritischer Dienste und erhöht die wirtschaftlichen Schäden, etwa durch unterbrochene Finanztransaktionen oder eingeschränkte Verwaltungs- und Kommunikationsprozesse.​  

3. Geografische Isolation
Inselstaaten oder abgelegene Regionen haben oft weniger Möglichkeiten, zusätzliche Landepunkte oder  alternative Verbindungen zu schaffen .  Dadurch sind sie besonders anfällig für Störungen – sei es durch Naturereignisse wie Vulkanausbrüche und Erdrutsche unter Wasser oder durch Unfälle und Sabotage.​

4. Fehlende Investitionen in Infrastruktur
Ohne regelmäßige Investitionen in den Ausbau, die Modernisierung und die Wartung der digitalen Infrastruktur steigt das Risiko, dass Schäden schwerwiegende und langanhaltende Folgen haben. Besonders wirtschaftlich schwächere Staaten tun sich schwer damit, zusätzliche Leitungen zu finanzieren oder bestehende Systeme resilienter zu machen, was die digitale Kluft weiter vergrößert.​

Die Studie betont, wie wichtig es ist, die Resilienz der digitalen Infrastruktur zu erhöhen, durch Investitionen in zusätzliche Kabel und Ladepunkte, die Schaffung alternativer Verbindungen und die Implementierung effektiver Notfall- und Umleitungspläne.  Ergänzend setzen internationale Organisationen wie die ITU (International Telecommunication Union) mit ihrem International Advisory Body on Submarine Cable Resilience sowie NATO- und EU-Initiativen zum Schutz kritischer Unterwasserinfrastruktur auf gemeinsame technische Standards, Risikoanalysen und koordinierte Schutzmaßnahmen.

Wie können wir unsere digitale Infrastruktur schützen?  

Die jüngsten Vorfälle und wissenschaftlichen Analysen zeigen: Unterseekabel müssen stärker als sicherheitsrelevante Schlüsselinfrastruktur verstanden und behandelt werden – politisch, wirtschaftlich und militärisch. Sie sind nicht nur Datenleitungen, sondern essentiell  für unsere Wirtschaft, Sicherheit und unser tägliches Leben.

Was wir tun können:  

  • Mehr Investitionen: Ausbau, die Sicherung und Wartung von Unterseekabeln, etwa durch zusätzliche Trassen, besser geschützte Landestationen und Überwachungssysteme entlang sensibler Routen. Maßnahmen wie der EU Action Plan on Cable Security zielen genau darauf ab, Prävention, Detektion, schnelle Reparaturen und Abschreckung zu verbessern.​
  • Redundanz schaffen: Aufbau alternativer Routen und Backup-Systeme, damit Datenverkehr bei Störungen automatisch umgeleitet werden kann – zum Beispiel durch mehrere Landepunkte pro Land oder unterschiedliche geografische Routen zwischen denselben Regionen. 
  • Internationale Zusammenarbeit stärken: Standards für den Schutz kritischer Infrastruktur entwickeln; dazu gehören NATO-Initiativen zum Schutz kritischer Unterwasserinfrastruktur sowie technische Leitlinien und Resilienz-Empfehlungen der ITU für Unterseekabelnetze.​

Unterseekabel sind zwar unsichtbar, aber ohne sie stünde die Welt still. Es ist an der Zeit, diese Lebensadern der digitalen Welt mehr in den Fokus zu rücken – und sie mit klaren Strategien, Investitionen und internationaler Zusammenarbeit aktiv zu  schützen.

Christine Mildenberger

Christine Mildenberger

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